Immunsystem, Darm und Allergie – wie hängt das zusammen?

Etwa ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland leidet unter einer Allergie – davon ca. die Hälfte an Heuschnupfen. Immer häufiger trifft es auch Jugendliche und Kinder. Die überschießende Reaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Substanzen, wie zum Beispiel Pollen, Hausstaub, Tierhaare und Nahrungsmittel ist nicht nur lästig, sondern beeinträchtigt die Lebensqualität gewaltig

Was ist eine Allergie, und wie könnte eine Darmsanierung helfen, die heftigen Symptome zu lindern oder gar zu beheben.

 

 

Was ist eine Allergie?

 

Bei einer Allergie handelt es sich um eine nicht angemessene, übertriebene Reaktion des Immunsystems auf bestimmte und eigentlich harmlose Stoffe der Umwelt. Hiermit ist gemeint, dass der Köper seine Abwehrkräfte gegen Stoffe mobilisiert, die die Gesundheit eigentlich gar nicht gefährden. Diese Reaktion führt dann zu den bekannten Symptomen wie heftiger Schnupfen, tränende Augen, Hautausschlägen mit Rötungen, quälender Juckreiz.

Im Akutfall wird dann häufig der Weg zur Unterdrückung der heftigen allergischen Reaktionen gewählt. Dies schafft zwar Erleichterung und ist sicherlich zunächst auch angezeigt, allerdings besteht die Wurzel des Übels weiterhin. Nachdem die Allergie als überschießende Reaktion des Immunsystems definiert ist, wäre ein Blick auf das Immunsystem durchaus sinnvoll.

 

 

Wo sitzt das Immunsystem?

 

Der größte Teil des Immunsystems (etwa 80 %) sitzt im Darm. Leider wird dieser oftmals noch unterschätzt, oder man ist peinlich berührt, wenn dieser zur Sprache kommt, denkt man doch oft hierbei an die Ausscheidung. Dabei beschafft er doch aus der Nahrung die notwendige Energie zum Leben, Entgiftet, baut Vorstufen von Vitaminen und Mineralstoffen um und ist das Trainingslager des Großteils unseres Immunsystems.

Das Immunsystem

 

Das gesamte Verdauungssystem ist mit einer Schleimhaut überzogen. Diese durchzieht den menschlichen Körper wie ein Schlauch (Mund, Rachen, Speiseröhre, Magen, Dünn- und Dickdarm). Weitere Schleimhäute sind bekannt in Augen und Nase.

Diese wird durch einen Schutzfilm geschützt, und ist wie eine Grenze zu verstehen ist: Eine Einreise in das Körperinnere gibt es nur mit Erlaubnis. Als Grenzposten arbeiten hier ca. 100 Billionen unterschiedlicher Mikroorganismen. Dies sind ca. 100mal mehr körperfremde Zellen als der Mensch an eigenen Körperzellen besitzt. Davon wurden bisher ca. 400 verschiedene Arten erforscht. Das Gesamtsystem wird als Darmflora oder Mikrobiom bezeichnet. Hier findet die Ausbildung der Immunzellen statt. Sie lernen dort anhand der Vielfalt von vorhandenen Bakterien und Kleinstlebewesen die Guten von den Bösen zu unterscheiden. Hat die Immunzelle die Ausbildung erfolgreich durchlaufen, wird sie an ihren Bestimmungsort (Lymphe, Organe, Gewebe, je nach Spezies) entlassen und beginnt dort ihre Arbeit. Sämtliche Bakterien, Viren, Pilze, Zellteilchen, etc. denen sie in Zukunft begegnet, gleicht sie mit Ihrem Gedächtnis ab und entscheidet über Erlaubnis oder Verweigerung der Passage.

Die erfolgreiche und richtige Ausbildung des Immunsystems kann aber nur erfolgen, wenn die Ausbilder, in diesem Fall die Bakterien der Darmflora, ausgewogen, gesund und damit im Gleichgewicht sind. Die Bakterienvielfalt lebt in einem friedlichen Miteinander und kontrolliert sich gegenseitig, damit dieses Gleichgewicht auch gehalten werden kann.

 

Über die Entstehung des Immunsystems

 

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Ein Baby ist im Mutterleib nahezu keimfrei. Sobald es die Fruchtblase verlässt, beginnt auch die Besiedelung mit körperfremden Kleinstlebewesen, die friedlich und unterstützend mit uns leben. Bei einer spontanen Geburt durch den Geburtskanal bekommt es von der Mutter als Startpaket die ersten, für das Immunsystem wichtige, Bakterien mit. Es kommt in Kontakt mit der Hebamme, Handschuhen, der neuen Familie, und somit ist ein solider Grundstein für das eigene Immunsystem gelegt. Im Laufe des Lebens wird das heranwachsende Kind mit vielen fremden Bakterien, Viren, Pilzen, durch Essen, Trinken, Atmen, Berühren konfrontiert. Das Immunsystem beginnt zu lernen und sich weiter auszubilden. Wird das Baby in den ersten Lebensmonaten gestillt, hilft die Muttermilch in der Anfangsphase noch mit immununterstützenden Antikörpern aus.

 

Warum läuft die Ausbildung des Immunsystems manchmal schief?

 

Eine ordentliche Ausbildung der Immunzellen kann nur mit starken und ausgewogenen Ausbildern stattfinden.

Leider gibt es einige Störfaktoren, die die erfolgreiche Entwicklung von Darmgesundheit und damit auch eines stabilen Immunsystems verhindern und beeinträchtigen:

  • Die Geburt per Kaiserschnitt
    eine der wunderbarsten und im Notfall lebensrettende Maßnahme, nur: hier fehlt leider das Startpaket der Mutter
  • Übertriebene hygienische Maßnahmen
    hier kommt der Körper mit nur wenigen fremden Keimen in Berührung
  • Einseitige Ernährung
    nur mit einem vielfältigen Angebot verschiedenster Nahrungsmittel besteht die Möglichkeit, neue nützliche Bakterien anzusiedeln.
  • Familiäre Vorbelastung
    bei einer allergisch reagierenden Mutter kann es sein, dass dem Säugling schon ein fehlinformiertes Startpaket mit auf dem Weg gegeben wird.
  • Frühe antibiotische Maßnahmen
    der Einsatz von Antibiotika bei ernsthaften bakteriellen Erkrankungen ist nicht zu vermeiden und notwendig. Allerdings werden hierbei nicht nur die „bösen“ Bakterien vernichtet, sondern leider auch ein Großteil der „Guten“. Um das erwähnte Gleichgewicht der Darmflora halten zu können, ist daher eine Kontrolle und ein Wiederaufbau der Darmflora nach jedem Einsatz von Antibiotika notwendig.

 

Wie kommt es nun zu einer Allergie?

 

Eine der Aufgaben der Bakterien ist, die Schleimhäute zu versorgen, damit sie elastisch und undurchlässig für Fremdkörper bleibt. Allergische Reaktionen – einzige Ausnahme ist die Kontaktallergie der Haut – beginnen normalerweise in der Schleimhaut. Sobald sich durch Störfaktor ein Ungleichgewicht ergibt, ist die Versorgung nicht mehr optimal gewährleistet. Die Schleimhaut wird angreifbar und die Grenzfunktion löchrig. Stoffe, die normalerweise nicht die Erlaubnis haben, in das Körperinnere zu gelangen, können nun durchschlüpfen. Der Körper versucht nun alles, dies zu verhindern. Die Immunzellen greifen an, kleine Mikroentzündungen entstehen, der Körper versucht abzuwehren. Die Ausbildung der Immunzellen ist nicht mehr allumfassend. Eigentlich harmlose Keime werden nun als feindlich eingestuft und bekämpft.

Die Abwehrreaktionen sind als Schnupfen, juckende und tränende Augen, Hustenreiz bekannt. Aus einem unbehandelten Heuschnupfen (hier ist nicht die Symptombehandlung im Akutfall sondern die Bekämpfung der Ursache gemeint) kann sich mit der Zeit eine Kreuzallergie entwickeln. Hier unterscheidet die Immunzelle die Oberfläche der einzelnen Moleküle nicht mehr ganz genau. Ein Beispiel: die Oberfläche eines Apfelmoleküls ähnelt sehr der einer Birkenpolle. Das irritierte Immunsystem hat bisher nur die eingeatmete Birkenpolle bekämpft. Bei fortschreitender Entgleisung meint die Immunzelle nun, dass im Mund auch Birkenpollen sind, obwohl eigentlich nur ein Apfel gegessen wird. Die Folge: der Apfel wird auch bekämpft; Schwellungen, Rötungen und Jucken im Mund können die ersten Anzeichen sein.

Je weiter die Entgleisung des Immunsystems fortschreitet, desto stärker können sich die allergischen Reaktionen ausbilden. Nahrungsbestandteile können durch eine durchlässige Darmschleimhaut ins Körperinnere gelangen. Und dort gehören sie nicht hin. Der Körper versucht mit seinen Immunzellen größeren Schaden abzuwenden und abzuwehren. Als Folge hiervon sind Nahrungsmittelintoleranzen und -Unverträglichkeiten. Die Symptome können Blähungen, Bauchkrämpfe, Durchfälle und Verstopfung sein.

 

Was kann getan werden?

 

Den Darm sanieren und damit dem Immunsystem die Möglichkeit geben, sich zu regulieren.

Renommierte Labore bieten eine Analyse des Stuhls sowohl für Erwachsene als auch speziell für Säuglinge und Kleinkinder an. Die Laboranalyse einer Stuhlprobe gibt Aufschluss über die Beschaffenheit der Darmflora. Anhand des Laborergebnisses kann der Therapeut eine geeignete Therapie zur Umstimmung und zum Wiederaufbau der Darmflora und damit zur Regeneration und Regulierung des Immunsystems festlegen.

Je nach Beschwerdebild wird auch eine Anpassung der Ernährung empfohlen und weitere Therapieansätze können ergänzend hinzugenommen werden.

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